Vor Cabral

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Pedro Álvares Cabral leitete die erste portugiesische Expedition, die das Land erreichte, das wir heute “Brasilien” nennen.Cabral war der Kommandant von 13 Schiffen, die am 22. April 1500 an der brasilianischen Küste landeten.

 
chegada de cabral

Oft heißt es, Cabrals Expedition ‘entdeckte’ das heutige Brasilien. Für viele Menschen begann Brasiliens Geschichte an jenem Tag. Dies steht so in vielen Schulbüchern. Aber wir werden feststellen, dass es schon viel Geschichte gab, bevor die Portugiesen kamen.  

Wurde Brasilien von den Kolonisatoren entdeckt oder besetzt?
Als die Portugiesen kamen, besetzten sie Land, das schon da war. Sie zwangen die Einwohner, ihre Lebensweise, ihre Sprache und ihren Glauben anzunehmen. Sie haben die Einwohner nicht gefragt, ob diese das überhaupt wollten.
    Welche Feststellung ist richtig?
  1. Die Portugiesen entdeckten Brasilien.
  2. Die Portugiesen besetzten Brasilien.

Wenn Du b) wählst, hast Du Recht:"Die Portugiesen besetzten Brasilien". Es ist nicht korrekt, von einer "Entdeckung“ zu sprechen. Dies übersieht die Tatsache, dass indigene Völker bereits mit einer langen Geschichte in Brasilien lebten. Das Wort "Entdeckung“ vermittelt den Eindruck, dass dort, in dieser weiten Gegend, die heute "Brasilien“ heißt, niemand lebte. Außerdem könnte man denken, dass die Kulturen, die es dort bereits gab, nicht beachtenswert seien und die neue Kultur, die hier eingeführt wurde, viel besser war. Dies ist ein Vorurteil!

Was ist ein Vorurteil?

Ein Vorurteil ist eine Denkweise, die wir akzeptieren, ohne darüber nachzudenken, ob sie richtig ist oder nicht. Meist bezieht sie sich auf eine Personengruppe, die auf bestimmte Weise anders ist. Diese Verschiedenheit wird als etwas Schlechtes angesehen. Vorurteile entstehen aufgrund von allgemeinen Annahmen, die nicht auf Tatsachen beruhen. Beispiele sind: "Eine Frau gehört in die Küche“, oder "Alle Eingeborenen sind faul“. Ein anderes Beispiel für ein Vorurteil ist die Idee, dass die Kultur eines Volkes besser sei als die eines anderen. Deshalb ist es wichtig, die Unterschiede zwischen den Menschen kennen zu lernen und sie zu respektieren!

Heute ist bekannt, dass die indigenen Völker in Südamerika Nachfahren von Migranten sind, die vor Zehntausenden von Jahren hier gelandet sind und das Land in seiner Länge und Breite erobert haben. Darüber sollte jeder Bescheid wissen.

Wie viele indigene Bewohner lebten auf dem Gebiet des heutigen Brasilien, bevor die Portugiesen kamen?
Niemand weiß das genau. Aber viele Untersuchungen haben ergeben, dass hier zu Beginn des 16. Jahrhunderts zwischen 2 und 4 Millionen indigene Bewohner lebten, heute sind es noch ca. 600.000. Dies ist ein dramatischer Rückgang.Wie kommt es zu diesem Rückgang?Dafür gibt es viele Gründe. Viele indigene Bewohner starben an Krankheiten, die die europäischen Kolonisatoren mitbrachten. Diese Krankheiten reichten von Grippe-Infektionen, Masern und Keuchhusten über Windpocken bis hin zu Tuberkulose.Was ist gemeint mit “Krankheiten, die die Europäer mitbrachten”?Dies sind Krankheiten, die es unter den europäischen Kolonisatoren gab, mit denen die indigenen Völker aber bis dahin nie in Berührung gekommen waren. Da sie gegen diese Krankheiten nicht immun waren, steckten sie sich sofort an. Wenn man über lange Zeit Kontakt mit bestimmten Krankheiten hat, baut der Körper einen natürlichen Schutz gegen die Erreger auf und entwickelt "Antikörper“. Die indigenen Bewohner hatten diese Antikörper nicht. Die Krankheiten wurden zu Seuchen, die sich schnell von einer Person zur nächsten verbreiteten, und steckten so ganze Gemeinschaften an.
Wer steckte sich als erstes an?
Zuerst waren die indigenen Völker in den Gegenden betroffen, wo die ersten Kolonisatoren sich niederließen: an der Küste.Entkamen die Bewohner im Landesinneren den Krankheiten?Nein. Die Bewohner des Landesinneren steckten sich ebenfalls an. Die Portugiesen reisten auf Flüssen und Pfaden durch die Wälder, quer durch das Land, und brachten Krankheiten, wohin sie kamen. Außerdem wurden die Krankheiten zwischen den Indigenen ebenfalls verbreitet. Menschen, die keinen direkten Kontakt mit den Europäern hatten, steckten sich bei anderen Indianern an. Indigene Gemeinschaften hatten Handelsnetze, die sich über große Entfernungen erstreckten. Dies bedeutete, dass Krankheiten von der einen indigenen Gruppe zur nächsten wanderten.
Informationsquellen
  • Museu de Arqueologia e Etnologia-MAE

Brasil 50 mil anos: Uma viagem ao passado pré-colonial (Guia temático para professores)

  • Museu de Arqueologia e Etnologia-MAE

Programa de educação patrimonial do levantamento arqueológico do gasoduto coari-manaus (Guia temático)

  • Eduardo Góes Neves

Os índios antes de Cabral: arqueologia e história indígena no Brasil, do livro A temática indígena na escola: novos subsídios para professores de 1° e 2° graus (1995). Na Internet

Eine Partnerschaft zwischen dem Museum für Archäologie und Ethnologie der Universität São Paulo (MAE-USP)