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Indigene Völker leben überall in Brasilien!

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Manche Angehörige der indigenen Völker leben in Städten, die meisten aber auf indigenem Gebiet.Gegenwärtig sind  682 indigene Gebiete in Brasilien dokumentiert.Jedes dieser Gebiete ist kartographisiert und wird von der brasilianischen Regierung gesetzlich geschützt.Jede indigene Gegend gehört einer bestimmten Gruppe von Indianern. Sie haben das Recht, dort entsprechend ihrer Traditionen und Kultur zu leben. Sie dürfen jagen, fischen, sammeln und pflanzen. Die Zukunft der indigenen Völker hängt unmittelbar von der Qualität ihres Lebensraums ab: wie klar und rein das Wasser in den Flüssen ist, und ob es ausreichend Pflanzen und Tiere gibt.Sagt man deshalb auch, dass Indigene einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz beitragen können?

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Genau deshalb! Traditionell nutzen indigene Völker ihre natürlichen Ressourcen auf eine nachhaltige Art und Weise. In den besiedelten Gegenden haben die verschiedenen indigenen Völker Kontakt untereinander, dies bringt sie entweder näher zusammen, oder sie entwickeln sich auseinander. Nichtsdestotrotz sind die indigenen Gegenden Orte, an denen Verbindungen zwischen den indigenen Völkern bestehen, und verschiedene Arten von Kommunikation existieren. Und vor allem sind es Orte, an denen die Geschichte und die Entfaltung der Erfahrungen der indigenen Völker stattfanden und immer noch stattfinden.Das Land, auf dem die Indianer leben, ist der Mittelpunkt ihrer Weltanschauung – mit anderen Worten: das Herz ihrer Kultur.

Schau Dir die indigenen Gebiete auf der Karte von Brasilien an!
Eine Karte zeigt, in welche Bundesstaaten Brasilien aufgeteilt ist.Auf der anderen Karte sind die indigenen Gebiete eingezeichnet.Du wirst feststellen, dass die beiden Landkarten sehr unterschiedlich sind. Viele Gebiete der Indianer erstrecken sich über mehr als einen brasilianischen Bundesstaat. Das ist so, weil es die indigenen Gebiete gab, bevor Brasilien in Bundesstaaten aufgeteilt wurde. Tatsächlich existierten sie schon lange bevor Brasilien überhaupt als Land gegründet wurde!
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Die Grenzen der indigenen Gebiete haben nichts zu tun mit den Grenzen zwischen den brasilianischen Bundesstaaten bzw. den angrenzenden Ländern. Ein Beispiel ist das Gebiet der Guarani. Sie leben heute in fünf Ländern: Brasilien, Bolivien, Paraguay, Uruguay und Argentinien. Auch wenn solche Gruppen durch nationale Grenzen getrennt werden, haben sie nach wie vor Beziehungen mit Verwandten in den benachbarten Ländern und pflegen die wirtschaftlichen und kommunikativen Netze zwischen ihren Gemeinschaften.

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Beispiel Yanomami

Im tropischen Regenwald des nördlichen Amazonasgebiets lebt das Volk der Yanomami mit einer Population von derzeit ca. 33.000 Menschen. Die Yanomami sind Jäger und Bauern. Ihr Gebiet erstreckt sich über ca. 192.000 qkm auf beiden Seiten der Grenze zwischen Brasilien und Venezuela, in der Region zwischen den Flüssen Orinoko und Amazonas, am rechten Ufer des Rio Branco und am linken Ufer des Rio Negro.Die Yanomami leben in Mehrfamilienhütten als Kollektiv. Der Familienverband ist stark und sorgt für Sicherheit. Alle lokalen Gruppen pflegen untereinander enge persönliche, kulturelle und wirtschaftliche Beziehungen, die sich auf die jeweiligen Nachbargruppen ausdehnen. Auf diese Weise verbindet das System der Yanomami-Kollektive Häuser und Dörfer vom einen zum anderen Ende des Gebiets. Die Welt außerhalb des Yanomami-Gebiets gilt als das gefährliche Universum der “Anderen”, die mit größter Vorsicht betrachtet werden, bringen sie doch Krankheit, giftigen Rauch und verheerendes Feuer.Die Yanomami bilden eine gemeinsame kulturell-linguistische Gruppe, die sich in mindestens vier Untergruppen aufteilt. Ihre Sprachen (Yanomae, Yanõmami, Sanima und Ninam) entstammen alle derselben Sprach-Familie. “Yanomami” bedeutet “menschliches Wesen”.Die Yanomami führen ihren Ursprung zurück auf die Verbindung zwischen dem Weltenschöpfer Omama und der Tochter des Seeungeheuers Tëpërësiki, des Herrn über die Feldarbeit. Omamas Sohn war der erste Yanomami-Schamane. Omamas eifersüchtiger, böser Bruder Yoasi steht für den Ursprung des Todes und aller Plagen.Für die Yanomami ist ihr Land nicht nur das Gebiet, das ihr Leben sichert, sondern eine lebendige Einheit, in der der ganzheitliche Austausch zwischen Menschen und nicht-menschlichen Lebewesen eine wichtige Bedeutung hat. Der Yanomami-Sprecher Davi Kopenawa sagt: Unser Waldland wird nur sterben, wenn es von den Weißen zerstört wird. Die Bäume werden verschwinden, das Land wird zerfallen, die Geister werden fliehen. Die Schamanen werden uns nicht mehr schützen können. Das Land wird austrocknen. Und so wird jeder von uns sterben.

Wie war es, als die ersten Kolonisatoren in Kontakt mit den indigenen Völkern kamen?
Als die Europäer vor über 500 Jahren zum ersten Mal nach Südamerika kamen, lebten überall in dem weiten Gebiet, das wir heute Brasilien nennen, indigene Völker. Diese Völker gab es dort seit mindestens 12.000 Jahren. Jedes Volk unterschied sich darin, wie es mit seinem Land umging, es aufteilte und seine natürlichen Rohstoffe nutzte und bewahrte.
Wie eroberten die indigenen Völker das heutige Brasilien?
Bevor sie mit Nicht-Indianern in Berührung kamen, hatten die indigenen Völker keine festen Grenzen zwischen ihren Gebieten. Sie waren viel unterwegs, weit entfernt von ihren Dörfern, auf der Suche nach natürlichen Rohstoffen. Sie verbrachten viel Zeit beim Jagen und Fischen. Sie wanderten umher auf der Suche nach Arzneien, sammelten Früchte, Honig und andere Lebensmittel. Ihre Gebiete waren nicht durch Grenzen eingeschränkt. Manchmal verbrachten sie Monate in den Wäldern.Als die Europäer kamen, wanderten die indigenen Gruppen fort, um den Eindringlingen aus dem Weg zu gehen. Manche dieser Gruppen sind heute noch unterwegs. Aber der Kontakt mit nicht-indianischen Menschen veränderte ihren Umgang mit dem Land und stellte sie vor neue Herausforderungen. Die nicht-indianische Gesellschaft teilte das Land in privaten Besitz auf. So entstanden Städte, Staaten und Länder mit festen Grenzen. Von nun an gehörte das Land irgendjemandem allein, der darüber bestimmte. Für die indigenen Völker war das neu: Bei ihnen gehörte das Land allen.

Wie denken die Zo´é Indiander über ihr Land?

Das Volk der Zo´é lebt am Fluss Cuminapanema im Norden des brasilianischen Bundesstaates Pará. Sie sprechen eine Sprache der Tupi-Guarani Sprachfamilie. In ihrer Sprache gibt es kein Wort für „Gebiet“. Das Wort, das am ehesten darauf passt, ist „-koha“, welches man mit „Lebensweise“, „Wohlergehen“, „Lebensqualität“ übersetzen kann.Dieser indigene Begriff vereint das Verständnis von „Gebiet“ mit anderen Elementen wie Umweltkonditionen und den Maßnahmen zur Erhaltung der Umwelt, die zum Überleben notwendig sind. Es bezieht sich ebenso auf die Art und Weise, wie die Zo´é Indianer ihr Land bewohnen: sie sind aufgeteilt in verschiedene Gruppen von Verwandten, die an verschiedenen Orten getrennt wohnen.

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Traditionell leben die Zo´é verteilt über ihr Land, und ein Teil von ihnen lebt zusammen in ihrem eigenen Dorf. Sie arbeiten zeitweise in ihren Gärten, oder sie gehen fischen, jagen oder sammeln.Seit den 80er Jahren ist ihr Gebiet offiziell abgegrenzt, und dies hat die Grenzen ihres Gebietes verstärkt. Das bedeutete, dass die Zo´é eine neue Art finden mussten, wie sie über das Land um sie herum denken mussten. Es wurde tatsächlich ein neuer Begriff eingeführt: „Zo´é rekoha“. Das bedeutet „das Gebiet der Zo´é“.

Was geschah mit den indigenen Gebieten, als Brasilien kolonialisiert wurde?
Der Prozess der Kolonialisierung (also der Besetzung von Brasilien durch Nicht-Indianer) war voller Gewalt und Respektlosigkeit gegenüber den indigenen Völkern. Europäische Kolonisatoren überfielen indigene Gebiete und vertrieben die Einwohner aus der Gegend, in der ihre Geschichte verankert war. Indigene Völker, die die Seuchen und Kriege überlebten, flohen oft in weit entlegene Landstriche. Sie konnten bzw. durften nicht länger dort leben, wo sie traditionsgemäß hingehörten.
Mussten sie sich mit weniger Land abfinden?
Ja. Viele indigene Völker wurden ausgelöscht. Die Gebiete, auf denen die Überlebenden siedelten, waren zumeist viel kleiner als ihr ursprünglicher Lebensraum.Wie lange dauerte das?
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Dieser Prozess vollzog sich über mehrere hundert Jahre. Zuerst ließen sich die Kolonisatoren in den Küstengebieten nieder. Dann drangen sie nach und nach ins Landesinnere vor. Die Indigenen hatten wenig Möglichkeiten, ihr Land zu verteidigen. Manche ließen sich auf einen Krieg mit den Eindringlingen ein. Andere gingen weiter ins Landesinnere, um neuen Lebensraum zu finden. So kam es häufig zu Kriegen zwischen den indigenen Völkern, die sich gegen die Neuankömmlinge – auch wenn es keine Nicht-Indianer waren – zur Wehr setzten.Nach den ersten Jahrhunderten der Ankunft der Portugiesen in Brasilien, ging die Besetzung des Landes von Nicht-Indianern weiter. Nicht-Indigene drangen weiterhin auf die gleiche brutale Art und Weise gegenüber der indigenen Bevölkerung in indigene Gebiete ein.

Leben die meisten indigenen Völker im Amazonasgebiet?
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Ja, über 60 % der Indianer im heutigen Brasilien leben in dem Gebiet, welches „das brasilianische legale Amazonien“ genannt wird.Diese Gegend erstreckt sich über die neun Bundesstaaten Amazonas, Acre, Amapá, Pará, Rondônia, Roraima, Tocantins, Mato Grosso und den Osten von Maranhão. In all diesen Bundesstaaten gibt es einen Anteil an Amazonas-Regenwald.

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Die indigenen Gebiete am Amazonas sind größer als in anderen Landstrichen. Das bedeutet, dass die Lebensqualität der Völker am Amazonas besser ist als anderswo. Je mehr Fläche sie zur Verfügung haben, desto eher sind sie in der Lage, ihre Kultur und ihre traditionelle Lebensweise aufrecht zu halten. Sie haben eher Zugang zu natürlichen Vorkommen an Nahrung, Rohstoffen für den Hausbau und andere Dinge des täglichen Lebens.

Stimmt es, dass fast 40 % der indigenen Bevölkerung von Brasilien außerhalb des Amazonasgebiets lebt?
Ja. Im Allgemeinen leben diese indigenen Gruppen zusammengedrängt auf Gebieten, die viel zu klein für ihre Bedürfnisse sind. Dies führt zu ernsthaften Problemen, wie Armut und Krankheit durch falsche Ernährung. Da sie zu wenig Land haben, sind sie unterversorgt mit den notwendigen natürlichen Nahrungsmitteln – zu wenige Tiere für die Jagd, zu wenig Fisch, zu kleine geeignete Flächen, um Getreide anzubauen oder Obst im Wald zu ernten.Es gibt immer noch viele Völker, die keinen Ort haben an dem sie leben können. Meistens wurden sie aus ihren Gebieten von Nicht-Indigenen vertrieben. Einige haben sich übergangsweise in Zeltlagern untergebracht, die in mehreren Bundesstaaten des Landes existieren. Sie leben dort unter schlimmen Bedingungen, während sie um die Rechte ihres Landes kämpfen.
Warum liegen die größeren Gebiete am Amazonas?
Die Besetzung Brasiliens durch die Europäer begann mit der Vertreibung der Indigenen an der Küste. Abgelegenere Regionen im Landesinneren, wie das Amazonasgebiet, wurden zuletzt besetzt. Daher liegen die größeren indigenen Gebiete dort.
Warum ist es notwendig, offizielle Landkarten für die indigenen Gebiete anzulegen?
Nur wenn die Gegenden offiziell auf Landkarten eingezeichnet sind, kann garantiert werden, dass indigene Völker das Recht haben, auf ihren traditionellen Gebieten zu leben. Um weite Abschnitte dieser traditionellen Gebiete wird gestritten.Die indigenen Einwohner werden sonst von den Nicht-Indianern, die sich Zugang zu den natürlichen Bodenschätzen und Rohstoffen verschaffen wollen, mit Gewalt unterworfen.
Wer dringt in das Land der Indianer ein?
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Rücksichtsloses Interesse an den indigenen Gebieten haben z. B. Mineralienschürfer und Goldgräber, Fischer, Jäger, Bauern und Holzschlagunternehmen. Manche Gegenden wurden abgeholzt, um Straßen, Bahnlinien und Stromleitungen zu errichten. Andere Landstriche wurden überflutet, um Stauseen für Wasserkraftwerke zu erschaffen. Wasserverschmutzung, Abholzungen und Waldbrände zerstören das natürliche Umfeld der Indianer. Konfrontiert mit all diesen Bedrohungen, erkennen die indigenen Völker, dass es zu ihrem eigenen Schutz notwendig ist, ihre Gebiete offiziell zu verzeichnen, um so wenigstens Teile ihrer ursprünglichen Territorien zu retten. Die Festlegung von Gebieten schränkt allerdings die Möglichkeit der Wanderung stark ein.

Hier siehst Du ein Beispiel

Heute leiden viele indigene Menschen darunter, dass sie nicht mehr umherziehen können, wie sie es früher getan haben. Sie haben weniger Land. Alle indigenen Völker hatten ihre eigenen Gewohnheiten, das Land um sie herum zu nutzen, aber ihre Methoden mussten sich ändern.

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Die Xavante verbrachten einst viel Zeit damit, ihr Gebiet zu durchstreifen. Aber heute sind sie dazu gezwungen, ein sesshaftes Leben zu führen. (Wenn man ein „sesshaftes“ Leben führt, bedeutet das, dass man dauerhaft an einem Ort lebt. Man wandert nicht von einem Ort zum andern.) Auch wenn die Xavante noch immer auf kurze Jagd- und Sammel-Ausflüge innerhalb ihrer Gebietsgrenzen gehen, wurde das Land, das ihnen einst zur Verfügung stand, deutlich verkleinert.

Haben indigene Völker ein gesetzliches Recht auf diese offiziell kartographierten Gebiete?
Ja. Mit der neuen brasilianischen Verfassung von 1988 wurden die Rechte der indigenen Völker gefestigt. Die Nationale Stiftung für Indianer (Fundação Nacional do Índio, FUNAI) ist das Organ in der brasilianischen Regierung, das für die Sicherung und den Schutz des indigenen Landes zuständig ist. Dies bedeutet, dass Nicht-Indianer diese Landstriche nur mit Erlaubnis der FUNAI und der indigenen Gemeinschaften selbst betreten dürfen. Im Bereich des Umweltschutzes spielen die indigenen Gebiete eine tragende Rolle, da die Lebensweise der indigenen Völker die biologische Vielfalt in Brasilien erhält.Ein Beispiel ist der Parque Indígena Xingu und seine Umgebung: Das indigene Land ist fast ganz grün. Das Land darum herum ist fast ganz rosarot. Rosarot sind die Gebiete, in denen der Regenwald abgeholzt wurde.
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Welche Folgen hat die Zuweisung an Gebieten für das Leben der indigenen Völker?
Neue Probleme und Herausforderungen haben sich aus der Landzuweisung ergeben: Dörfer sind vor allem in der Nähe der FUNAI-Hilfszentren entstanden, weil hier Zugang zu medizinischer Hilfe, Ausbildung und Beratung angeboten wird. In vielen indigenen Ländereien kam es so zu Ballungen. Die Menschen hörten auf, auf ihrem Land herumzuwandern. Ihr Leben wurde statisch.Die Ansiedlungen wurden immer größer. Sie mussten immer mehr jagen und fischen, sammeln und pflanzen. Wichtige Tier- und Pflanzenarten begannen auszusterben. Dies sorgte für große Besorgnis bei den indigenen Gemeinschaften. Manche von ihnen initiierten Projekte, um sicherzustellen, dass beim Umgang mit den Bodenschätzen Wert auf die Nachhaltigkeit gelegt wurde, um das Risiko des Niedergangs der natürlichen Rohstoffe zu verringern. Beispielsweise die Ashaninka kümmerten sich energisch um den Schutz einer bestimmten Schildkrötenart, die schon beinahe verschwunden war.Die Ikpeng waren zum Beispiel ein Volk von Kriegern, die ihr Leben vor allem als Nomaden auf ihrem Gebiet verbrachten. Heute leben sie in festen Siedlungen im Xingu Indigenous Park im brasilianischen Staat Mato Grosso.Der folgende Text aus dem Buch Ecologia, Economia e Cultura (2005) erklärt, wie die Ikpeng dafür sorgen, dass die lokalen Fischvorkommen nicht abnehmen.

Die Aufrechterhaltung der Fischvorkommen

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Meine Leute haben ihre eigenen Methoden, um den Fisch in den Seen zu erhalten. Sie ‚schlagen’ den See einmal im Jahr mit Timbó, dann warten sie ein Jahr oder auch zwei, bevor sie den See nochmal ‚hauen’. Durch die Behandlung mit Timbó gibt es immer Fisch im See.Meine Leute sagen, wenn man den See jedes Jahr mit Timbò behandelt, sterben am Ende alle Fische. Denn dann wächst Unkraut im Wasser. Deshalb geben wir den jungen Leuten diesen Rat, wie man mit dem Fisch richtig umgeht.(Text: Korotowï Ikpeng)

Hier beschreibt Korotowï Ikpeng eine Methode zu fischen, die als „Schlagen mit Timbó“ bekannt ist.Weitere Informationen über “Schlagen mit Timbó” findest Du im Kapitel Ernährung auf dieser Webseite!

Geschützte Schildkröten-Populationen in der Ashaninka-Gemeinschaft am Fluß Amônia
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Das Volk der Ashaninka lebt in der Alto Juruá-Region im brasilianischen Bundesstaat Acre. In Brasilien umfasst ihre Bevölkerung über 900 Menschen. Weit mehr Angehörige der Ashaninka leben in Peru. Dort gibt es mehr als 55.000 Ashaninka!Die Ashaninka gehen sehr sorgsam mit der Umwelt um, in der sie leben. Die Abholzung, Überfischung und rücksichtslose Jagd durch Nicht-Indianer hat dazu geführt, dass die Region großen Schaden genommen hat. Als eine Reaktion darauf haben die Ashaninka einen Plan vorgelegt, um eine Schildkrötenart zu retten, die in der Gegend als „tracajá“ bekannt ist.Diese Schildkröten waren in der Region bereits fast ausgestorben. Drei Jahre lang war das Sammeln von Schildkröteneiern und das Verspeisen von Schildkrötenfleisch strikt verboten. Mit dem Ergebnis, dass die Zahl der Schildkröten, die am Fluss Amônia beinahe ausgestorben waren, wieder anstieg.Seit 2003 veranstalten die Ashaninka ein jährliches Fest, um die Freilassung von Hunderten von Schildkröten in die örtlichen Flüsse zu feiern.

Die Suche nach Saatgut im Parque Indígena Xingu
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Der “Parque Indígena Xingu” liegt im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso. Ungefähr 6000 indigene Menschen aus 16 verschiedenen Völkern leben in diesem Park. Sie sprechen verschiedene Sprachen und haben verschiedene Lebensweisen.Den Kaiabi fiel etwas Ungewöhnliches auf: Die Samen einer Anzahl wichtiger Pflanzen, die über viele Generationen angebaut worden waren, begannen zu verschwinden. Also beschlossen sie, nach den Samen zu suchen.Sie erstellten eine Liste mit all den verschiedenen Pflanzenarten, die traditionell angebaut wurden. Diese Liste beinhaltete Erdnüsse, Maniok, Bananen, Mais und Bohnen. Sie stellten fest, dass sie drei Pflanzenarten bereits verloren hatten. Eine weitere Art war vom Aussterben bedroht. Um weitere Verluste zu verhindern, begannen sie, Samen in verschiedenen Dörfern zu verteilen. Nach und nach vermehrten sich die Pflanzen wieder. So entstand eine Samenbank.Andere Xingu-Völker wie die Yudja, Kisêdjê und Ikpeng haben ebenfalls begonnen, die Veränderungen der natürlichen Rohstoffe um sie herum genau zu beobachten und Maßnahmen im Umweltschutz zu ergreifen. Diese Arbeit steht ganz am Anfang und noch ist es zu früh, um große Erfolge feststellen zu können. Aber die Beteiligung verschiedener Gemeinschaften hat gezeigt, dass es möglich ist, das traditionelle Wissen anzuwenden, um die biologische Vielfalt zu erhalten.

Informationsquellen
  • Aloísio Cabalzar

Peixe e gente no Alto Rio Tiquié: conhecimentos tukano e tuyuka, ictiologia, etnologia (2005).

  • Associação Terra Indígena do Xingu (ATIX) e Instituto Socioambiental (ISA)

Ecologia, Economia e Cultura - livro 1 (2005).

  • Beto Ricardo e Maura Campanili

Almanaque Brasil Socioambiental: Uma nova perspectiva para entender a situação do Brasil e a nossa contribuição para a crise planetária (2008).

  • Beto Ricardo

“Os índios” e o futuro da sociodiversidade nativa contemporânea no Brasil, no livro A temática indígena na escola: novos subsídios para professores de 1° e 2° graus (1995).

  • Dominique Gallois

Terras ocupadas? Territórios? Territorialidades?, no livro Terras indígenas e unidades de conservação da natureza: o desafio das sobreposições (2004).

  • Harald Schultz

Vinte e três índios resistem à civilização (1953).

  • Maria Inês Ladeira e Priscila Matta

Terras Guarani no Litoral (2004).

  • Proyecto Cultivando Diversidad

Experiencia de manejo de recursos genéticos amazônicos por indígenas del Xingú, no livro Cultivando Diversidade en América Latina (2005).