Wer macht was?

Viele indigene Völker teilen die Arbeit, die getan werden muss, zwischen Männern und Frauen auf.

Die Frauen sind im allgemeinen verantwortlich für die Zubereitung von Speisen, sie kümmern sich um die Kinder und den Garten, während die Männer zum Beispiel die Felder präparieren, auf die Jagd gehen und Krieg führen.

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Es ist wichtig zu betonen, dass die Tätigkeiten, die jedes Geschlecht ausführt, ein Ganzes ergeben. Zusammen garantieren sie eine gute Lebensqualität für jeden in der Gemeinschaft. Was sollte eine indigene Familie essen, wenn die Männer nicht auf die Jagd gingen? Und wie würden sie es essen, wenn die Frauen das Fleisch nicht zubereiten würden? Männer und Frauen arbeiten gemeinsam auf den Feldern, stellen Hängematten, Hocker, Häuser, Kanus und andere Dinge des täglichen Lebens her, wie Tontöpfe, Körbe, Pfeile und Bögen.

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Auch die Kinder werden in die alltäglichen Aufgaben eingebunden. Töchter helfen ihren Müttern, Söhne begleiten ihre Väter. Die Kinder basteln oft kleine Versionen der Gegenstände, die von den Erwachsenen produziert werden. Spielerisch machen die Kinder nach, was sie bei den Älteren der Gemeinschaft sehen, und lernen so Dinge, die sie später im Leben brauchen werden.

Wer macht was bei den Araweté?

Die Araweté leben in dem brasilianischen Bundesstaat Pará. Sie sprechen eine Sprache aus dem Tupi-Guarani-Zweig der Tupi-Sprachfamilie. Sie jagen und bauen Feldfrüchte an und leben in einem Dorf nahe des Flusses Ipixuna.

Sobald sie Teenager sind, haben alle Araweté ihre eigenen Pfeile und Bögen. Und sie mögen es, wenn sie damit gesehen werden! Sie tragen sie mit sich herum, wenn sie durchs Dorf gehen, und halten sie stolz unterm Arm, wenn ein Fest stattfindet. Junge wie alte Männer verbringen viel Zeit damit, Pfeil und Bogen herzustellen und zu reparieren. Sie machen drei Arten von Pfeilen: Einen, um große Tiere zu jagen, die anderen zwei, um Vögel, Fische und kleinere Tiere zu schießen.

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In der Jahreszeit, in der man Honig findet, gehen die Männer in den Wald und suchen Bienenstöcke. Ihre Ausflüge in den Wald sind beschwingt und unterhaltsam, mit vielen Gesprächen und Spielen auf dem Weg. Auch wenn die Frauen nicht dafür zuständig sind, Honig zu finden, ist es wichtig, dass sie auch auf diese Ausflüge gehen. Sie sammeln Blätter von der Açaí-Palme, um “yiyipe” herzustellen, Gefäße, in denen der Honig transportiert wird. Außerdem sammeln sie Nüsse.

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An einem normalen Tag verbringen die Araweté-Frauen mehrere Stunden damit, Baumwolle für Kleidung und Hängematten zu spinnen. Die Kleidung der Araweté beinhaltet Kopfbedeckungen, Tragetücher für Babys sowie Schärpen und Röcke, die ab dem Kindesalter getragen werden. Die Frauen haben auch die Aufgabe, Farben aus Urucum-Samen herzustellen. Diese Farbe wird zum Rotfärben von Kleidung und als Schminke verwendet.

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Araweté-Frauen ernten zusammen mit den Kindern Maiskolben und stellen Maniokmehl her. Und es ist ganz normal für sie, zusammen mit den Jungen und Mädchen zum Fischen zu gehen, mit Angeln oder Pfeil und Bogen (häufiger als mit Timbó.)

Ob sie spielen oder nicht, alle Mitglieder der Gemeinschaft – Kinder, Erwachsene und Jugendliche – arbeiten auf bestimmte Weise. Jede Arbeit vervollständigt die andere. Und jeder trägt zu dem bei, was für das Leben in der Gemeinschaft gebraucht wird.

Wer macht Baumwolle bei den Panará?
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Die Panará, bekannt auch als Krenakore, lebten 20 Jahre lang im Parque Indígena Xingu im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso. Aber vor kurzem gelang es ihnen, ihr altes Gebiet wiederzuerlangen, wo sie ein neues Dorf errichtet haben. Ihr Land liegt in den Bundesstaaten Mato Grosso und Pará.

Die Panará sprechen eine Sprache aus der Jê-Sprachfamilie. Folgender Text stammt aus dem Buch “Ecologia, Economia e Cultura“ (Ökologie, Ökonomie und Kultur) aus dem Jahr 2005. Es erzählt von der Bedeutung der Faruen, die Baumwolle herstellen.

Frauen sind für Baumwolle zuständig!

Wir pflanzen Setzlinge, um Baumwolle anzubauen. Die Baumwollpflanze ist klein. Es dauert mehr als ein Jahr, bis Baumwolle hergestellt werden kann.

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Wenn an der Baumwollpflanze kleine Baumwollfrüchte wachsen, kümmert sich die Frau auf die genau richtige Weise um die Pflanze. Um sicherzugehen, dass die Pflanze nicht eingeht, wird das Gebiet um sie herum regelmäßig gejätet. Das ist Aufgabe der Frau.

Baumwollpflanzen werden auf einem Feld angebaut, der sehr nah am Wohnhaus liegt. Die Frau geht zum Feld und pflückt nur die kleinen Baumwollfrüchte, die reif genug sind, um aufgefädelt zu werden. Die Pflanze muss nicht abgeschnitten werden. Die Frau nimmt nur die Frucht. Wenn man die Pflanze abschneidet, verliert man natürliches Material. Die Frauen spinnen die Baumwolle zu Fäden und die Männer machen daraus Kopfschmuck.

Vor langer Zeit verwendeten wir viel Baumwolle, um Gürtel und Pfeile herzustellen. Mein Volk, die Panará, haben immer Baumwollsamen gelagert, die dann in der Regenzeit ausgesät wurden. Die alten Panará verarbeiteten schon Baumwolle, als sie noch keinen Kontakt mit Nicht-Indianern hatten. Bis heute verwenden wir Baumwolle für Kopfschmuck, Körbe, Pfeile, Gürtel, Halsschmuck und Ohrringe.

Vor langer Zeit haben wir Baumwollsamen immer gelagert, damit sie uns nie ausgingen. Die Frauen kümmern sich mit großer Umsicht um unsere Baumwolle, damit wir sie weiterhin produzieren können. Wenn wir uns nicht gut um sie kümmern, werden die Baumwollsamen schlecht. Dann kann man sie nicht mehr anbauen. Deshalb hat mein Volk sich immer so um sie gekümmert, wie sie es bis heute tun.

Text: Krekreasã Panará

Arbeitsteilung bei den Kisêdjê

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Die Kisêdjê, auch Suyá genannt, leben im . Aber vor kurzem gelang es ihnen, ihr altes Gebiet wiederzuerlangen, wo sie ein neues Dorf errichtet haben. Ihr Land liegt in den Bundesstaaten Mato Grosso und Pará. Bei ihnen erledigen Frauen und Männer ganz unterschiedliche Arbeiten.

Folgender Text ist dem Buch “Geografia Indígena“ (Indigene Geographie) aus dem Jahr 1996 entnommen. Er beschreibt, was Frauen und Männer in einem Kisêdjê-Dorf tun.


Ein Dorf in Xingu

Wir leben in einem Dorf. Jede Gruppe in der Xingu-Region hat Sitten, die sie von den anderen Gruppen unterscheiden.

In unserem Dorf haben Männer und Frauen unterschiedliche Aufgaben.

Die Aufgaben der Männer sind: die Herstellung von Kanus, Pfeil und Bogen, Keulen und Stöcken, Häusern, Haarschmuck, Hockern, Rudern und Rahmen, auf denen Maniok-Fruchtfleisch getrocknet wird. Sie arbeiten auf unseren Feldern, fällen Bäume, pflanzen, fischen, holen Feuerholz, mähen Gras und Büsche, jagen, spalten Holz, holen Honig aus den Bienenstöcken, schneiden Maniokbüsche und erledigen andere Dinge.

Die Frauen machen viele Dinge: Hängematten, sie pressen Maniok-Fruchtfleisch, backen Maniok-Brot, kochen Essen und machen Halsschmuck. Sie putzen, schaben Maniok, und tragen Maniok vom Feld auf dem Kopf nach Hause. Manchmal helfen ihnen die Männer beim Tragen.

Der Dorf-Vorstand empfängt immer Besucher im Dorf. Ist er nicht da, empfangen seine Vertreter die Besucher. Diese müssen die Besucher mit Respekt behandeln und mit ihnen reden.

Nicht jeder kann zu einem Besucher hingehen und ihn zu sich nach Hause einladen. Das muss der Anführer oder sein Vertreter tun.

In der Dorfmitte steht ein kleines Haus, das nur Männer betreten dürfen. Manchmal dürfen auch Frauen hinein. Aber dann muss es eine Nachricht geben, die für alle sehr wichtig ist. In dem kleinen Haus treffen sich die Männer. Manchmal stellen sie Kunsthandwerk her. Manchmal machen sie etwas zu essen oder etwas anderes.

Frauen treffen sich auch manchmal. Sie machen etwas zu essen und zu trinken und erledigen die Dinge, für die sie verantwortlich sind. Aber das kleine Haus gehört den Männern.

Das Dorf feiert ein Fest, bei dem Frauen und Männer zusammen tanzen. Es gibt andere Feste, an denen Frauen nicht teilnehmen dürfen. Es gibt auch Spiele im Regen.

(text Kaomi Suyá)

Wie stellen die Kisêdjê Maniokmehl her?

Um Maniokmehl oder “polvilho” herzustellen, muss man zuerst Maniokwurzeln anbauen. Jeder spielt beim Anbau eine bestimmte Rolle. Die Männer bereiten den Boden für die Anpflanzung her. Sie fällen den Wald, brennen ihn ab und übernehmen die Pflanzung. Die Frauen ernten die  Maniokwurzeln und tragen sie nach Hause.

Folgender Text stammt aus dem Buch “Saúde, Nutrição e Cultura no Xingu” (Gesundheit, Ernährung und Kultur am Xingu) aus dem Jahr 2004. Er beschreibt die verschiedenen Rollen von Männern und Frauen bei der Zubereitung von Polvilho bzw. Maniokmehl.

Das Maniokmehl

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Ich werde ein wenig über Polvilho erzählen, den wir während der Regenzeit essen. In der Trockenzeit reiben die Frauen die Maniokwurzeln, so dass das Mehl getrocknet werden kann. Maniok wird zwischen Mai und Juli geerntet. Die Männer stellen die Körbe her, in denen das trockene Mehl gelagert wird. Der Polvilho bleibt ein Jahr lang frisch. Die Frauen machen “beiju”, Brei, daraus. Und sie mischen Polvilho mit süßem Maniok und anderen Nahrungsmitteln.
So stellen wir Suiá jedes Jahr Polvilho her. .

(Text: Nhokretxi Suiá e Pepotxi Suiá)

Informationsquelle
  • Associação Terra Indígena do Xingu (ATIX) e Instituto Socioambiental (ISA)

Ecologia, Economia e Cultura - livro 1 (2005).

  • Associação Terra Indígena do Xingu (ATIX) e Instituto Socioambiental (ISA)

Geografia Indígena (1996).

  • Eduardo Viveiros de Castro

Araweté: o povo do Ipixuna (1992).